ZUKUNFTSORIENTIERTES BAUEN

Mobile Kirche

Eine durchaus ernst gemeinte Idee einer Gemeindereferentin in Stuttgart.

Pastorale Bewertung von Gebäuden

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Haus der Katholischen Kirche„Alle Lebensfragen haben hier einen Ort“

Von Martin Haar 09. Januar 2018 - 17:55 Uhr

Eine der wichtigsten Einrichtungen in der Innenstadt verliert seinen Chef: das Haus der Katholischen Kirche in der Stuttgarter Königstraße.

  Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
  Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Herman Merkle leitet das Haus der Katholischen Kirche seit seiner Gründung im Jahr 2008. Nach neun Jahren verlässt er sein „Kind“ und hat einiges zu erzählen.

  Herr Merkle, im Haus der Katholischen Kirche trifft man auf das pralle Leben. Wie oft sind Sie hier mit Menschen aneinander geprallt?
  Bei uns muss man keine Schwelle überwinden, um hier zu sein. Daher trifft man alles und jeden, den man auf der Königstraße trifft, auch bei uns. Und gelegentlich müssen wir dafür auch einen Preis zahlen.
  Zum Beispiel.
  Wenn man das so radikal offen gestaltet, erlebt man nicht nur schöne Szenen. Zum Beispiel jetzt in der kalten Jahreszeit. Da gibt es gelegentlich Menschen, die sich den ganzen Tag hier aufhalten, weil es keinen anderen warmen Ort für sie gibt.
 
  Wie schaffen Sie diesen Spagat, dass sich gleichzeitig der Banker beim Kaffee und der Wohnsitzlose in ihrem Haus wohlfühlen?
  Weil wir Grenzen setzen, wenn es zu viel wird. Da sagen wir schon, dass es jetzt Zeit wird, mal wieder zu gehen. Mitunter müssen wir aber auch rigoros sein, wenn es mit Besuchern, die psychisch angeschlagen sind, zu Konflikten kommt. Im Extremfall müssen wir dann von unserem Hausrecht Gebrauch machen. Aber diese Fälle lassen sich in den neun Jahren an einer Hand abzählen. Und meistens lässt sich alles im Gespräch lösen.
 
  Was ist das Symbol Ihres Hauses?
  Zum einen sicher unser großer Eichentisch, an dem jeder Platz nehmen kann. Ganz ohne Verzehrzwang. Hier kommen die unterschiedlichsten Menschen ins Gespräch, die sonst nichts miteinander zu tun haben. Aber es gibt noch etwas.
 
Meinen Sie den Raum der Stille?
  Den natürlich auch. Aber daneben ist es dieser nahtlose Übergang zur Domkirche. Diese Pforte erzeugt immer wieder Aha-Erlebnisse und weckt Interesse. Viele finden so einen Weg in die Kirche, den sie sonst nicht gefunden hätten. Das ist das Einzigartige an diesem Haus: Hier kann ich völlig problemlos in Kontakt mit Kirche kommen. Wir sind ein Portal zu dem, was Kirche bietet. Und das sechs Tage in der Woche.
 
Das scheint heute wichtiger denn je.
  Ja, die Hälfte aller Stuttgarter gehört nicht mehr einer der beiden Volkskirchen an. Umso wichtiger werden solche Einrichtungen, wo jeder, also auch derjenige ohne kirchliche Sozialisation, kommen und fragen kann. Das erleben wir täglich. Solche Leute würden nie in ein Pfarrhaus gehen und fragen, was katholische Kirche tut und ist.
 
Die Konzeption eines offenen Hauses mit Cafe und Buchladen ist demnach aufgegangen, Stuttgarter nehmen diesen Platz in der City wahr. Was läuft nicht so gut?
  Wir sind inzwischen auch ein Veranstaltungszentrum. Wir hatten mit 300 Veranstaltungen geplant, von Anfang an waren es 1300 pro Jahr. Da könnten wir ein, zwei Räume mehr gebrauchen.
 
Wollen Sie hier missionieren?
  Die Gefahr sahen manche zu Beginn. Aber an 300 Tagen im Jahr merken Sie auf den ersten Blick nicht, dass Sie in einem katholischen Haus sind. Wir wollen nicht missionierend auftreten. Das gibt es auf der Königstraße zu Hauf. Von den Zeugen Jehovas, über die Scientologen bis hin zu den Hare-Krishna-Leuten. Wir verstehen uns als missionarisch, nicht als missionierend.
 
Wo ist der Unterschied?
  Missionarisch heißt, da zu sein, präsent und ansprechbar zu sein. Genau das erleben wir tagtäglich an unserer Info-Theke.
 
Was wollen die Leute dort wissen?
  Ach, ganz Alltägliches. Zu welcher Gemeinde man gehört, wo man einen Kindergartenplatz oder einen Pflegeplatz bekommt. Es gibt aber auch die Frage: wie betet man?
 
Laden auch manche ihren Ballast ab?
  Ja, klar. Als die Missbrauchsskandale hochgekocht sind, mussten wir uns einiges anhören. Auch die Kirchensteuer ist oft Thema. Aber dafür sind wir ja da.
 
Manche sagen: Wenn es das Haus der Katholischen nicht gebe, müssten man es erfinden.
  Da will ich nicht widersprechen (schmunzelt). Nicht umsonst gibt es in fast jeder größeren Stadt so ein Konzept. Aber ich glaube sagen zu dürfen, dass unser Haus eines der größten und vielschichtigsten ist. Aber das Wichtigste ist wohl unsere Lage. Inzwischen sagen alle Katholiken der Stadt: Das ist unser Haus.
 
Um das Sie auch die evangelischen Brüder und Schwestern beneiden.
  Das habe ich auch schon gehört. Es war Fügung, dass wir hier vor neun Jahren gelandet sind. Und so wie sich dieses Haus mitten in der Stadt entwickelt hat, ist es für Menschen eine wichtige Anlaufstelle und ein Ort der Begegnung.
 
Wenn jemand auf die Idee käme, so eine Anlaufstelle zu eröffnen, mit welchem Budget müsste er planen?
  Unterm Strich bleibt ein sogenannter Abmangel von rund 170 000 Euro übrig. Aber eigentlich ist dieses Haus der katholischen Kirche unbezahlbar. Gerade in der heu­tigen Zeit. Hier findet Diskurs statt. Schauen Sie sich nur das Programm des Katholischen Bildungswerkes an. Hier setzt sich Kirche mit der Lebenswirklichkeit der Menschen aus. Hier setzen wir uns mit unserem christlichen Sinnangebot aus – auch in Abgrenzung zu anderen. Wir brauchen auch diesen Dialog mit Menschen, für die Religion keine große Rolle im Leben spielt. Alle Lebensfragen haben hier einen Ort.
 
Bei so viel Offenheit – was ist da noch das Katholische an diesem Haus?
  Genau auf diese Frage bekommen Sie oder die 12000 Menschen, die hier pro Stunde in der Spitze vorbeilaufen, im Haus der Katholischen Kirche Antwort.
 

Neue Perspektive: Gemeindehaus wird Altenheim

Aus dem ehemaligen katholischen Gemeindehaus in Wangen wird im kommenden Jahr ein Altenheim. Die Kirche strukturiert sich deshalb um und investiert kräftig. Das alte Gemeindehaus wird abgerissen. Auf dessen Grund entsteht ein Altenheim, in dem auch die Kirchengemeinde einen 50 Quadratmeter großen Raum anmieten wird.

Ich denke, mit dem geplanten Umbau haben wir eine gute Perspektive für die nächsten Jahre gefunden“, erklärte der katholische Pfarrer Bernhard Schmid in Wangen. Rund eine halbe Million Euro nimmt die Kirchengemeinde in die Hand, um das Gotteshaus „Sankt Johannes Evangelist“ zu sanieren und einen neuen Jugendraum zu bauen. Das ehemalige Gemeindehaus ist an die Vinzenz von Paul gGmbH verkauft und die Diözese Rottenburg hat die Finanzierung des Umbaus genehmigt. Jetzt muss die bürgerliche Gemeinde dem Bebauungsplan noch zustimmen, dann können die Arbeiten losgehen.

Etwa 50 katholische Gemeindemitglieder waren am Donnerstag in das Gemeindehaus gekommen, um sich über das Vorhaben genauer informieren zu lassen. Architekt Christian Gaus (Göppingen) und Ingenieur Andreas Kiefer (Kirchheim) erläuterten, wie die einzelnen Bauabschnitte gestaltet werden. Da die Kirche ihren Strom und das Wasser aus dem (noch stehenden) Gemeindehaus bezieht, passt es gut in den Zeitplan, dass die Vinzenz von Paul gGmbH das Gebäude nicht vor April abreißen wird. „Das ist auch deshalb geschickt, weil wir dann das Osterfest noch in der Kirche feiern können“, sagte Pfarrer Bernhard Schmid.

Die darauffolgenden zweieinhalb Monate müssen die katholischen Kirchgänger dann aber Asyl suchen, weil die Kircheninnensanierung ansteht. Dazu erklärte Pastoralreferentin Agnes Steinacker: „Wir haben klare Zusagen von der evangelischen Gemeinde, dass wir unsere Gottesdienste auf jeden Fall weiterhin in Wangen feiern können.“ Über die genauen Uhrzeiten, so Steinacker, müsse man sich dann von Fall zu Fall noch absprechen: „Wir freuen uns aber sehr, dass uns unsere evangelischen Mitchristen ihre Hilfe angeboten haben.“

In der Zeit von April bis Juli werden dann in der Kirche die Bänke ausgebaut, damit das neue Heizsystem eingebaut werden kann. Bisher kommt die Wärme im Raum noch aus einem Warmluftheizapparat aus dem Jahr 1993: „In ein paar Jahren wäre dieses Thema sowieso auf sie zugekommen, dann hätte man auf jeden Fall eine neue Heizung einbauen müssen“, erklärte Andreas Kiefer, der in den vergangenen Jahrzehnten schon über 400 Kirchen saniert hat, also auch auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen kann. „Wenn wir das bisherige Heizsystem hätten beibehalten wollen, hätten wir den Boden herausreißen müssen, um so genannte Umluftstationen einzubauen. Zudem ist die jetzige Heizmethode für heutige Verhältnisse eher überdimensioniert.“

Um den ganzen Kirchenraum warm werden zu lassen, müssen pro Stunde etwa 8000 Kubikmeter warme Luft in das Gebäude „geblasen“ werden: „Das ist - energetisch gesehen - viel zu viel, weswegen sich der Kirchengemeinderat auch für eine so genannte Elektrobankstrahlungsheizung entschieden hat“, erklärte Kiefer. Dabei werden nur die Bereiche direkt unter den Bänken beheizt. Gleich zwei Mal würde man bei dieser Investition sparen. Zum einen seien die Investitionskosten niedriger und auch die Verbrauchskosten würden - im Gegensatz zu heute - um etwa 25 Prozent sinken. Außerdem könne man den Parkett-Boden erhalten, der an manchen Stellen allerdings etwas ausgebessert werden müsse.

Damit die Kirche weiterhin den benötigen Strom beziehen kann, muss die EnBW eine Trafo-Station im Bereich des Parkplatzes aufbauen. „Das ist der einzige Wermutstropfen, wir werden deswegen eineinhalb Parkplätze verlieren“, erklärte Andreas Kiefer. · Die Kirchengemeinde wird „Dauermieter“ im neuen Gebäude sein. Die Kosten in Höhe von knapp einer halben Million Euro für die Instandsetzung und Erweiterung der Kirche wurde von der Diözese Rottenburg genehmigt. Die Kosten setzen sich zusammen aus den Rücklagen der Kirchengemeinde in Wangen, Zuschüsse der Diözese Rottenburg-Stuttgart, in Form eines Ausgleichstocks sowie eines Nachhaltigkeitsfonds, und aus dem Erlös vom Grundstücksverkauf an die Vinzenz von Paul (abzüglich der Abrisskosten).

Sobald die Vinzenz von Paul gGmbH ihr geplantes Pflegeheim in Betrieb nimmt, voraussichtlich wird das im Jahr 2019 sein, hat sie sofort einen „Dauermieter“. Die katholische Kirchengemeinde wird dort dann einen Raum mit etwa 50 Quadratmetern anmieten, um Katechese zu betreiben oder Sitzungen abzuhalten. „Der große Vorteil dabei ist, dass wir dann keine Instandhaltungskosten mehr für diesen Raum haben“, erläutert Pfarrer Bernhard Schmid die Vorteile.

Neubau Der Kirchengemeinderat habe sich aber für den Neubau eines Jugendraums entschieden, da die Interessen und Gepflogenheiten unterschiedlicher Generationen manchmal doch „weit auseinander liegen würden“. Alle Baumaßnahmen der katholischen Kirchengemeinde werden voraussichtlich Ende des Jahres 2018 fertig sein.

Publikation: Geislinger Zeitung vom 01.12.2017

 

 

Ideen für die Zukunft von St. Maria in Stuttgart

So entwickelt das Stadtdekanat Stuttgart den Standort St. Maria weiter:

Gemeinde  sucht nach Ideen für die Zukunft von St. Maria   

Die Kirche soll über die Gottesdienste   hinaus genutzt werden

 Bürgerbeteiligung und katholische Kirche, das dürfte für viele Menschen nicht so leicht zusammengehen. Die katholische Kirche in Stuttgart macht jetzt den Versuch am Beispiel von St. Maria. Die Marienkirche in der Tübinger Straße ist ein architektonisches Schmuckstück in Zentrumsnähe, aber das Gotteshaus ist innen stark renovierungsbedürftig. Zudem ist die Kirche für die Bedürfnisse der Gemeinde zu groß geworden. Die Gemeinde und das Stadtdekanat haben dies zum Anlass genommen, eine Bürgerbeteiligung im Kleinen anzustoßen. St. Maria wird ein geweihter Ort bleiben, die Gemeinde wird dort auch weiterhin ihre Gottesdienste feiern. Welche Nutzungen aber sind darüber hinaus möglich? Angesprochen werden sollen Menschen, die an Kirche und Stadtentwicklung interessiert und die bereit sind, Ideen für den Kirchenraum zu entwickeln. Bei dem Projekt unterstützt wird die katholische Kirche von dem Verein Stadtlücken.

Ideenschenker und die weitere Ideensuche

Um einen Anstoß zu geben, haben in den vergangenen Wochen 60 Ideenschenker aus Politik, Kultur, Verwaltung und dem Sozialen ein Päckchen erhalten, in dem sich Pläne der Marienkirche, Buntstifte, ein Teebeutel und ein Stick fanden. Darin enthalten war auch die herzliche Einladung, Vorschläge zu entwickeln, wie das Gotteshaus in der Tübinger Straße über die regelmäßigen Gottesdienste hinaus genutzt werden könnte. Erste Ideen sind in dieser Woche auch bereits zurückgekommen. Diese sehen St. Maria auch als Ort für Kunstausstellungen und Kunstprojekte, als Ort interreligiöser Treffen, als Ort der Tischgemeinschaft und Gastronomie, als seelsorgerlich-therapeutisches Zentrum oder als caritativen Begegnungsort. Da über die Ideenschenker hinaus alle an der kirchlichen Entwicklung interessierten Menschen angesprochen werden sollen, schließt sich in den nächsten Wochen eine offene Beteiligung an. Von Samstag, 20. Mai, bis Samstag, 3. Juni, wird es in der Marienkirche eine Werkstatt geben, in der Besucher Vorschläge malen, beschreiben, basteln oder auch am Computer entwickeln können. In dieser Zeit werden täglich von 12 bis 18 Uhr Ansprechpartner aus der Gemeinde in der Kirche sein. Einige der eingegangenen Ideen werden in der Kirche ausgestellt. Wer nicht in die Tübinger Straße kommen kann, hat über die Facebook-Seite St. Maria (www.facebook.com/stmariaals) die Möglichkeit, Vorschläge einzubringen. Darüber, welche Ideen umgesetzt und finanziert werden, entscheiden die Gemeinde und das Stadtdekanat Stuttgart im Einvernehmen mit der Diözese.

 

St. Maria - prominentes Beispiel für die Standortentwicklung der katholischen Kirche Stuttgart

Die katholische Kirche in Stuttgart befindet sich an vielen Orten im Aufbruch. Mehr als 20 Standorte werden parallel weiterentwickelt, einer davon ist die Marienkirche. St. Maria ist eine der architektonisch wertvollsten katholischen Kirchen in Stuttgart, die mit hohem Aufwand außen saniert worden ist. Schon jetzt ist absehbar, dass die Innensanierung des neugotischen Gotteshauses hohe Kosten mit sich bringen wird. „Eine einfache Standortsanierung bliebe unter dem Potential dieser architektonisch herausragenden Kirche, der noch dazu durch ihre prominente Lage in der Innenstadt eine besondere Bedeutung zukommt“, sagt der katholische Stadtdekan Christian Hermes. Die Kirche ist nicht nur für die Gemeindemitglieder, sondern für viele Menschen im Süden ein wichtiger Ort. „Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, den Horizont so weit wie möglich zu öffnen. Wir sehen uns als Kirche in der Stadt und wollen uns nicht auf eine Nische zurückziehen, sondern im Gegenteil die Stadtgesellschaft einbeziehen.“ Hermes sieht den Beteiligungsprozess als Experiment. „Wenn wir gute Erfahrungen machen, kann ich mir eine solche Ideenfindung auch andernorts vorstellen.“

Für Paul Kugler, den leitenden Pfarrer der Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-Süd, ist St. Maria eine typische Großstadtgemeinde – mit allen Vor- und Nachteilen. „Viele Menschen kommen tagsüber als Besucher in die Kirche, weil die Tübinger Straße für Fußgänger und Radfahrer die Verbindungsstraße zwischen der Innenstadt und dem Süden ist. Die Kirche ist gut frequentiert, aber unsere Gemeindemitglieder wohnen nicht mehr in der Nähe der Kirche, was für das Gemeindeleben schwierig ist“, so Kugler. Auch ist die Kirche für die Bedürfnisse der Gemeinde alleine zu groß, deshalb sieht der leitende Pfarrer die offene Ideenfindung als große Chance für die Gesamtkirchengemeinde und für den Stadtbezirk. Rund um die Kirche ist in den vergangenen Jahren viel passiert, mit den Veränderungen an der Paulinenbrücke, dem Neubau des Gerber. „Jetzt muss auch bei uns etwas passieren“, so Kugler. Auch Domenik Schleicher, der zweite Vorsitzende von St. Maria, stellt fest, dass das klassische Gemeindeleben in St. Maria nicht mehr funktioniere, weil viele der treuen und aktiven Ehrenamtlichen wegen hoher Immobilienpreise an den Stadtrand gezogen seien. „Wir verfallen deswegen nicht in Depression, sondern suchen nach neuen Wegen“, so Schleicher. Er hofft, dass mit St. Maria neben den Zentren für Jugendpastoral und Kirchenmusik und dem geplanten Spirituellen Zentrum ein weiterer kirchlicher Leuchtturm in der Stadt entstehen wird.

Den Beteiligungsprozess maßgeblich mitgestaltet haben in den vergangenen Wochen die Mitglieder des Vereins Stadtlücken, die im vergangenen Jahr mit einer zweiwöchigen Aktion rund um den Österreichischen Platz auf sich und ihre Interessen aufmerksam gemacht haben. Die Akteure der Stadtlücken haben sich 2016 zusammengefunden, aus dem Bedürfnis heraus, den städtischen Lebensraum mitzugestalten und Aufmerksamkeit für den Stadtraum zu wecken. Sie haben die Idee von „St. Maria als“ entwickelt: „Uns ist es wichtig, dass es Orte gibt, an denen der persönliche Kontakt zwischen Menschen entstehen kann und wir wieder miteinander ins Gespräch kommen können“, sagt Sebastian Klawiter von den Stadtlücken. Für die jungen Stadtplaner, Gestalter und Architekten ist allein schon der Kirchenraum spannend. „Diesen großzügigen Raum zu betreten löst viele Gefühle aus, einmal aufgrund der gebauten Atmosphäre, zum anderen aufgrund der Werte, die mit einem Kirchenraum verknüpft sind“, so Klawiter.

 

Geschichte der Marienkirche mit Zahlen und Fakten zur Gemeinde

St. Maria, erbaut in den Jahren 1871 bis1879 im neugotischen Stil, wurde nach der Eberhardskirche als erster Neubau einer katholischen Kirche in Stuttgart nach der Reformation errichtet, damals nahezu am Stadtrand. Im Zweiten Weltkrieg stark zerstört, wurde sie bis 1950 wiederaufgebaut und schließlich um die Jahrtausendwende außen umfassend renoviert. Die Innenrenovierung soll in den nächsten Jahren folgen. Da die Untersuchungen von Decken und Wänden der Kirche noch nicht abgeschlossen sind, ist noch nicht klar, wie hoch die Umbaukosten sein werden. St. Maria gehört heute mit den Gemeinden St. Josef in Heslach und St. Antonius von Padua in Kaltental zur Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-Süd mit insgesamt 12 000 Katholiken, von denen rund 6000 auf dem Gemeindegebiet von St. Maria leben. Flächenmäßig zieht sich das Gemeindegebiet St. Maria vom Heusteig- und Leonhardsviertel bis zum Lehenviertel am Marienplatz. Die Marienkirche wird auch von der englischen Gemeinde als Gottesdienstort genutzt. Die Gemeinde hat sich im Jahr 2015 von ihren Gemeinderäumen in der Fangelsbachstraße getrennt und hofft, mit dem Umbau der Marienkirche wieder Räumlichkeiten zu erhalten.

 

Veranstaltungsreihe rund um die Ideensuche

 - Zur Eröffnung am Samstag, 20. Mai, 17 Uhr, wird der Stuttgarter Lichtkünstler Laurenz Theinert die Marienkirche mit seinem selbst erfunden Lichtpiano beleuchten.

-  Am Mittwoch, 24. Mai, heißt es um 18 Uhr „Jazzen und Schmatzen mit Loretta“. Die Stuttgarter Gastronomin lädt bei Jazzmusik zur Tischgemeinschaft.

-  Am Donnerstag, 25. Mai, um 19 Uhr laden die Stadtlücken unter dem Motto „Einmal im Monat“ zu einem Diskussionsabend zu dem Thema, wie Kirchen genutzt werden können.

-  Am Samstag, 27. Mai, 20 Uhr, tritt der australische Liedermacher Tim McMillan in St. Maria auf

-  Am Dienstag, 30. Mai, um 19 Uhr werden sich der Domorganist Johannes Mayr und der Performancekünstler Thomas Putze auf ungewöhnliche Weise mit der Grablegung Jesu beschäftigen.

-  An den Sonntagen, 21. Mai und 28. Mai, lädt die Gemeinde um 11 Uhr zum Gottesdienst. Am 28. Mai wird im Gottesdienst ein Kind getauft. Auch zum Abschluss der Veranstaltungsreihe wird am Samstag, 3. Juni, um 21 Uhr ein ökumenischer Abendrot-Gottesdienst zum Thema Aufbruch/Aufbrechen gefeiert. Die Abendrot-Gottesdienste richten sich an junge und junggebliebene Menschen verschiedener Konfessionen und werden gestaltet von katholischen und evangelischen Theologen und Ehrenamtlichen aus Bad Cannstatt. Bereits um 18 Uhr gibt es eine Abschlussrunde mit allen an dem Prozess Interessierten.  

  

Mit freundlichen Grüßen aus dem Stadtdekanat Nicole Höfle, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit

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