BLICKWECHSEL

Kleinere, aber viel Brötchen backen

Wenn ein Weihbischof, ein Stadtdekan und engagierte Katholiken in die Zukunft schauen

 

„Weil wir keine großen Brötchen backen können, müssen wir eben kleinere, aber viele Brötchen backen.“ So hat der Stuttgarter Stadtdekan Christian Hermes die Situation der Kirche heute umschrieben. Gleichzeitig äußerte er die Hoffnung, dass – im Bild gesprochen – „dennoch alle satt werden“. Beim Herbstfest des Rottenburger Bischofs Gebhard Fürst in Stuttgart drehte sich alles um die Zukunft der Kirche.

Bischof Fürst rief die Katholiken dazu auf, ihre Charismen und Talente in die Kirche einzubringen. Kirche würde dadurch lebendiger und könne in einer neuen Struktur des Miteinander das Leben der Menschen vor Ort befördern. Die Christen bräuchten keine Angst vor riesigen Gemeinden haben und auch keine Angst davor, dass alles schlechter würde. „Wir sind auf einem guten Weg,“ betonte der Bischof.

In der Diskussionsrunde im Zelt vor Stella Maris drehte sich alles um den Prozess „Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten“ oder wie der Prozess in Stuttgart heißt „Aufbrechen“. Weihbischof Matthäus Karrer, zuständig für diesen Prozess auf Diözesanebene, betonte, dass der Entwicklungsprozess der Kirche immer bei jedem einzelnen beginne. „Wir müssen das Evangelium in uns selbst neu spüren und in Handeln und Wirken übersetzen“, so Karrer. Pfarrer sollten entsprechend mehr geistliche Leiter sein als bisher. „Als Pfarrer muss ich nicht jede Rechnung selbst unterschreiben“, sagte der Weihbischof als ein Beispiel dafür, dass in der Verwaltung der Pfarrei nicht alles über den Schreibtisch des Pfarrers laufen müsse. Die Gemeinden sollten sich auf die Hoffnungsbotschaft der Kirche konzentrieren. Der Blick der Gemeinden müsse in Zukunft verstärkt nach außen in den Sozialraum gehen. Die Gemeinden sollen sich am Ort bei den Vereinen, Einrichtungen und Initiativen einbringen, so der Weihbischof. Immer müsse der Mensch im Mittelpunkt der Aktivität stehen.

Stadtdekan Christian Hermes warnte ebenfalls davor, dass sich die Gemeinden allein mit sich selbst beschäftigen. Es gäbe einen „Hunger nach Spiritualität“, so der Stadtdekan. „Wer heute Spiritualität im Internet googelt, finde lauter Firlefanz und wenig von der Kirche“, so der Stadtdekan. Als weitere Herausforderungen nannte Hermes die Integrationsfrage: „Wir müssen Pioniere der Integration sein“, forderte Hermes und grenzte sich von denen ab, die Fremde nicht willkommen heißen. Die sogenannten muttersprachlichen Gemeinden spielten dabei eine wichtige Rolle. Hermes verwies darauf, dass die Hälfte der Stuttgarter schon heute nicht mehr deutscher Nationalität seien. Stuttgart sei damit internationaler als andere Städte. Auch die Kinderbetreuung, zu der die Kirche einen großen Beitrag leiste, „gehört zur DNA der Kirche“, so Hermes.

Als Beispiele für die ersten Erfolge des Aufbruchs in der Kirche nannte die Vertreterin der Katholischen Gesamtkirchengemeinde Stuttgart, Brigitte Graf-Isengard das zukünftige Spirituelle Zentrum in St. Fidelis. Auch andere Themen, wie Trauer oder Musik, sollten zukünftig in bestimmten Gemeinden der Stadt verortet sein. Das gemeinsame Magazin der Kirchengemeinden im Westen schafft zudem Kommunikation und Gemeinsamkeit, so Graf-Isengard. Martina Siegel, ebenfalls von der Gesamtkirchengemeinde Stuttgart, stellte ihr neues Modell des ehrenamtlichen Engagements vor. Sie habe einen Mailverteiler und frage ad hoc an, ob jemand für die eine oder andere Mitarbeit bereit wäre. „Teilzeitehrenamtliche“, so nannte sie diese neuen Mitarbeiter/innen in der Kirchengemeinde.

„Kirche solle sich um das kümmern, was den Menschen tatsächlich wichtig ist“, sagte Hermes zum Abschluss der Runde. In fünf Jahren, so sein Wunsch, solle die Stadtkirche in Stuttgart einen guten Klang haben, weil sie sich um die Menschen aller Alter und Nationalitäten kümmere, nicht nur um ihr Seelenheil, sondern auch um ihre soziale Lage, ihre Bildung und Kultur.

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Bericht zum Abschluss der Fortbildungsreihe WANDLUNG 2017

Kirchenentwicklung in der Diözese Rottenburg-Stuttgart hat einen Namen: „Kirche am Ort - Kirche an vielen Orten gestalten“. Von 2015 bis 2020 vollziehen alle Ebenen der Diözese einen Blickwechsel, um das Evangelium in der Lebenswirklichkeit der Menschen neu zu entdecken. Damit soll die Relevanz von Glaube und Kirche in einer vielfältiger werdenden Gesellschaft gestärkt werden.

Ein Herzstück des Entwicklungsweges bilden die verpflichtenden Fortbildungen für Hauptberufliche alle zwei Jahre. Von Januar bis Juli 2017 fanden insgesamt 25 sog. „Wandlungstage“ statt, an denen insgesamt 95 % der 1550 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter teilgenommen haben. Der weitaus größte Teil von ihnen gehören pastoralen Berufen wie Gemeindereferent/-in, Pastoralreferent/-in, Diakone oder Priester. Aber auch Vertreterinnen und Vertreter aus Dekanaten, Schulen oder Verwaltungszentren ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen, an Veränderungsprozessen aktiv mitzuwirken.

Alle Beteiligten bescheinigten den 25 Tagungsleitungen im Feedback im Schnitt eine glatte 2,0. Das würde immerhin zu einer Belobigung reichen. Wichtiger ist aber die Wahrnehmung, dass sich gegenüber dem ersten Durchgang 2015 an diesem Punkt die Zusammenarbeit zwischen Ordinariat und Mitarbeitenden wesentlich verbessert hat.

 <Ziele>

So wurden die Ziele, die Zusammenarbeit im Team an der Kirche am Ort zu stärken und das Thema Kirchenentwicklung als Grundthema pastoralen Handelns bereitwillig aufgegriffen und die sich bietenden Räume aktiv genutzt. Am Ende standen für konkrete Schritte, wie Kirchenentwicklung im jeweils unterschiedlichen Zusammenhang vor Ort betrieben wird.

Ein weiterer wichtiger Baustein war der Dialog mit der Kirchenleitung, zu dem zu jeder Tagung ein Bischof oder Hauptabteilungsleiter des Ordinariates vor allem zum Zuhören anwesend war. Das bot den pastoralen Mitarbeitern/innen die Gelegenheit, ihre Einschätzung zum Miteinander der verschiedenen Ebenen von Diözese, Dekanat und Seelsorgeeinheit zu Gehör zu bringen.

 <Inhalte>

 Zu Beginn wurden die persönlichen Modelle von Kirchenentwicklung betrachtet und hinterfragt. Dabei setzt die Diözese vor allem auf die Entfaltung geistlicher Haltungen, weil Kirchenentwicklung vor allem als ein geistlicher Prozess verstanden wird. Die Teilnehmenden erkannten, dass Kirchenentwicklung die Entwicklung der eigenen Person einschließt. So wurden sie motiviert, die eigenen Kompetenzen zu erweitern und einzubringen.

 Für eine intensive Bibelarbeit wurden Texte aus der Apostelgeschichte gewählt. Mithilfe der Methode lectio divina ging es zunächst um das genaue Hinhören auf das Wort Gottes. Aber auch die Teilnehmenden konnten das, was der Bibeltext in ihnen auslöste zur Sprache bringen.

 Am Abend gab es in verschiedenen Medien-Bars Inspirationen aus der ganzen Welt, wie lebendig Kirche sein kann. Neben dem Anschauen war viel Platz für die unterschiedlichen Sichtweisen von Kirche. Da wurde deutlich, dass eine große Qualität von „katholisch sein“ die große Vielfalt und gleichzeitige Einheit in Jesus Christus ist.

 

 <das war neu>

 Vier verschiedene Workshops zu Werkzeugen der Kirchenentwicklung bildeten den Auftakt zum zweiten Tag. Einer der Renner war das bis dahin wenig bekannte Werkzeug „Gründen“ des Aachener Pastoraltheologen Florian Sobetzko. Er nutzt Erkenntnisse aus der Kirchenentwicklung der USA und verbindet sie mit einfachen Schritten der Prozessplanung, um gesetzte Ziele zu erreichen. Das Werkzeug kann aber auch gut eingesetzt werden, um bestehende Aufgaben schnell und sicher zu überprüfen, warum sie nicht den Effekt haben, den man sich davon verspricht.

  

<das waren Themen der Teilnehmenden>

 In sog. „Kollegialen Werkstätten“ thematisierten kleine Gruppen Grundsätzliches und Konkretes. Insgesamt wurden dabei mehr als 70 Themen eingebracht. Einen Schwerpunkt bildete Ideen rund um Gottesdienst und Spiritualität. Aber auch eine Vielzahl konkreter Projektideen wurden vorgestellt oder vertieft. Deutlich wurde, dass das diözesane Anliegen einer „Kirche an vielen Orten“ mehr und mehr ins Bewusstsein und in die Umsetzung kommt.

 Beispiele für Themen der Kollegialen Werkstätten:

-        Was will ich bewirken? Was motiviert mich? Was kann ich wirklich gut?
-        Handlungsräume von Leiter/-innen von Einrichtungen /SE /KG
-        Gott schreibt mit uns Geschichte – Prozesse geistlich mit einer Schriftrolle begleiten
-        "Just do it" Handlungsräume für Leiter/-innen von Einrichtungen/ Seelsorgeeinheiten/ Kirchengemeinden
-        Glaubenswege von Kindern und Jugendlichen
-        "Die frohe Botschaft verkünden" - Ideenwerkstatt
-        Das Ehrenamt boomt… nur nicht bei uns!
-        Religionsunterricht als pastoraler Ort
-        Kirche & Welt - Vernetzung von Kirche und weltlichen Organisationen
-        Transformieren "alter" Angebote in neue Praxis (z.B. Himmelfahrtsprozession)

Ist die Kirchengemeinde eine Art Einfamilienhaus mit gleichgesinnten BewohnerInnen?
Oder gleicht die Gemeinde der Zukunft eher einer Berghütte; einer verlässlichen, schützenden Station für Menschen auf ihren Lebenswegen? Welches Bild von Kirche leitet Ehrenamtliche wie hauptberuflich Verantwortliche bei ihrem Handeln? Was können Gemeinden von einer „Berghütte auf der Schwäbischen Alb“ lernen?

Ein Vortrags- und Gesprächsabend über die Zukunft der Kirche und den Gemeinden vor Ort mit Prof. Dr. Herbert Haslinger, Pastoraltheologe an der Theologischen Fakultät Paderborn, „Gastvater“ Kai Münzing, Mitarbeiter im Naturfreundehaus Dettingen, evangelischer Kirchenpfleger sowie Mitglied der 15. Evangelischen Landessynode,
und Barbara Strifler,  Dekanatsreferentin im dekanat Essluingen-Nürtingen.

Freitag, 23. Juni 2017, 18.00 – 21.00 Uhr
Naturfreundehaus Waldheim Dettingen/Erms,
Gewann Rammelplatz, Am Sonnenfelsen, 72581 Dettingen

Eintritt frei, Anmeldung bis 16. Juni an die Dekanatsgeschäftsstelle dekanat@kirche.es, Tel.: 0711 7941870

Veranstalter: Dekanat Esslingen-Nürtingen in Kooperation mit dem Dekanat Reutlingen-Zwiefalten, der Katholischen Erwachsenenbildung im Landkreis Esslingen und dem Verein NaturFreunde Deutschlands.

Lokale Kirchenentwicklung im Landkreis Ludwigsburg

Den Blickwechsel wagen

Erstes Vernetzungstreffen Kiamo im Dekanat am 29. September 2016
 
Als Mitglied einer Kirchengemeinde kann man sich heute leicht in Sentimentalitäten verlieren: Früher war eben alles noch ganz anders, die Leute kamen in Scharen in die Gottesdienste, das Gemeindeleben florierte. Dass sich die Lage deutlich geändert hat, spüren viele engagierte Gläubige. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart hat aus diesem Grund den Entwicklungsprozess „Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten gestalten“ ins Leben gerufen. Dabei geht es nicht darum, wie die Kirchengemeinden durch noch besseres Engagement von Haupt- und Ehrenamtlichen am Leben erhalten werden können, sondern vielmehr darum, wie mit den Menschen die Botschaft Jesu Christi an verschiedenen Orten durch christliches Handeln wirksam und wahrnehmbar werden kann. Auch im katholischen Dekanat Ludwigsburg ist dieser Prozess ins Rollen gekommen. Vergangenen Donnerstag luden nun die Verantwortlichen zu einem ersten Austausch- und Vernetzungstreffen ins Gemeindezentrum Freiberg. „Wir wollen die Leute darin bestärken, sich der lokalen Kirchenentwicklung zu stellen“, sagt Dekanatsreferent Alexander Bair. Denn anders als in den übrigen Dekanaten ist die Teilnahme an „Kirche am Ort“ freiwillig. Dass die Gemeinden vor Ort die Herausforderung annehmen, wurde an der großen Resonanz deutlich. Aus allen Seelsorgeeinheiten waren Vertreterinnen und Vertreter dabei, insgesamt kamen über 50 Personen. In einer Austauschrunde wurde deutlich, dass die verschiedenen Gemeinden vor gleichen Fragen stehen: „Der Weg, den wir als Kirche bisher gegangen sind, scheint nicht mehr zu funktionieren“, bringt es ein Teilnehmer auf den Punkt. „Und ob der neue Weg richtig ist, wird sich zeigen.“ Und so werden in vielen Gemeinden größere Umfragen gestartet, um herauszufinden, was die Leute heute noch von der Kirche wollen. In der Seelsorgeeinheit Südliches Strohgäu, zu der unter anderem Ditzingen und Gerlingen gehören, wurden die Bürgermeister und Ortsvorsteher zu ihrer Sicht auf Kirche befragt. „Die Analyse des eigenen Sozialraums und die Fremdwahrnehmung sind zentrale Punkte des Prozesses“, sagt Alexander Bair. Er sieht die Gefahr der kirchlichen Selbstoptimierung, wenn Gemeinden lediglich das verbessern wollten, was sie bisher gemacht haben. „Es braucht aber einen echten Blickwechsel, bei dem es nicht darum geht, wie wir unsere Kirche wieder fit machen, sondern darum, wie die Menschen mit dem Evangelium in Berührung kommen.“ Dass dieser Blickwechsel manchmal ganz von selbst kommt, merken viele Kirchengemeinden zum Beispiel durch die Flüchtlingssituation. Lioba Stehmer aus der Seelsorgeeinheit Strohgäu berichtet, wie plötzlich Menschen, die bisher eher kirchenfern waren, sich einbringen wollten, weil es ihnen wichtig war. Doch auch für die Zukunft bleibt die Frage, wie die Kirche am Ort lebendig bleibt, spannend. Die Gesamtkirchengemeinde Ludwigsburg hat ein Haus am Marktplatz erworben, das unter dem Leitbild „Heilsame Begegnungen – Kirche mitten inder Stadt“ als Zentrum und Anlaufstelle für die Bürger in Ludwigsburg entwickelt wird. „Über kurz oder lang müssen wir als Kirche verstärkt dorthin gehen, wo die Menschen sind.“ sagt Diakon Gebhard Altenburger von der Gesamtkirchengemeinde Ludwigsburg. Dekan Alexander König ermutigte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Abschluss, weiter ihre Kirche vor Ort mit verschiedenen Farbtupfern zu gestalten. „Es geht gerade mal nicht um die Frage, wie man einen Bass für den Kirchenchor findet oder wie wir die Kirchen vollkriegen. Jetzt haben wir die große Chance, unsere Kirche so zu gestalten, wie wir sie wollen.“ Das Dekanat Ludwigsburg ist die mittlere Ebene zwischen dem Bischof und den Kirchengemeinden im Landkreis Ludwigsburg. Es umfasst 45 Kirchengemeinden mit über 115.000 Katholikinnen und Katholiken. Zu den Aufgaben gehören unter anderem die Koordination der Seelsorge, die Vernetzung der Akteure und die Vertretung der katholischen Kirche in Politik und Gesellschaft.
 
 
 
 

Zur Geh-Hin-Kirche werden

Im >>echo<<, der Ostalb-Dekanatszeitung Ausgabe Juli 2016, beschreibt Pressereferentin Sibylle Schwenk, wie der Entwicklungsprozess in Neresheim angekommen ist:

„Die Jammerphase über mangelnden Kirchenbesuch haben wir längst hinter uns gelassen“, Judith Durner, Mitglied des Prozessteams.

Es kostet schon ein bisschen Überwindung. Rausgehen aus dem geschützten Raum der Kirche, der Kirchengemeinde, Lebenswirklichkeiten wahrnehmen und sich anhören, was Menschen von Kirche heute erwarten. Die Seelsorgeeinheit Neresheim mit ihren sechs Kirchengemeinden in Elchingen, Ohmenheim, Kösingen, Dehlingen, Dorfmerkingen und Neresheim selbst, geht Schritt für Schritt voran. Was an den Adventssonntagen mit den vier Grundhaltungen des diözesanen Wandlungsprozesses „Kirche am Ort“ – vertrauen, lassen, erwarten, wertschätzen -  begonnen hat und in der Orientierung der Lebenswirklichkeiten der Menschen vor Ort fortgeführt wurde, entwickelt sich weiter.

„Wir haben bei der Klausurtagung im Februar entschieden, dass die Kirchengemeinderäte jeweils zu zweit Menschen unserer Seelsorgeeinheit besuchen und mit ihnen über Kirche und Glauben reden“, beschreibt Judith Durner, zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderats Neresheim und Mitglied des Prozessteams. Die „Jammerphase“, die sich ständig und immer von mangelndem Kirchenbesuch geprägt sieht, hat man in Neresheim längst hinter sich gelassen.

Zur Geh-Hin-Kirche werden. Das steckt als ein Ziel der Wandlung dahinter. „Wir sind da, es gibt uns“, soll als Botschaft rüberkommen. Und es geht darum, über Dinge zu reden, die normalerweise nicht thematisiert werden. „Es gibt eine gewisse Not über Seelsorge, über den Glauben und innere Werte zu sprechen“, beschreibt Pfarrer Adrian Warzecha. Spirituelle Elemente im Leben zulassen. Das soll auch als Teil des Prozesses wieder mehr Platz bei den Kirchengemeinderatssitzungen haben. „Wir müssen auch unseren eigenen Glauben anschauen“, ist Pastoralreferent Ulrich Schneider überzeugt.

Erste Erfahrungen der Kundschafter – das zehnköpfige Prozessteam hat sich im Übrigen bereits im Vorfeld an Betriebe und Institutionen vor Ort gewagt – sind fast durchweg positiv. Die Aufnahme der „Kirchenleute“ war bisher immer sehr gastfreundlich, auch wenn es zuweilen mehrere Anläufe benötigte, um einen Gesprächstermin zu ergattern.

Innerhalb des Wandlungsprozesses gibt es bereits erste Ergebnisse: Als Folge des Anspruches, eine diakonische Kirche zu sein, hat man sich entschieden, eine Projektstelle mit sechs Stunden wöchentlich für eine(n) Caritas-Beauftragte(n) einzurichten. Diese wird von der Gesamtkirchengemeinde und dem Dekanat finanziert. Außerdem wird es einen „Runden Tisch der sozialen Dienste“ geben, wo alle sozialen Akteure der Seelsorgeeinheit samt den Kommunen und der Caritas zusammenkommen.

Experimentieren ist angesagt. Neues wagen. Aufbrechen. Was im „Experiment am See“, nach Erscheinen dieses Beitrags geplant ist, bleibt bis dahin noch ein Geheimnis. Lassen wir uns überraschen.

                       

 

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